Aktuelle Ausstellungen

Kunst der Radierung

Wir zeigen noch bis zum 4. November Radierungen von Judith Mattelé, Wolfgang Hunecke, Holger Runge, Heiner Hofmann und Clemens Hillebrand

Künstler: Wolfgang Hunecke Titel: Stenzelberg Technik: Radierung
Künstler: Wolfgang Hunecke, Titel: Stenzelberg, Technik: Radierung

Künstleri: Judith Mateleé Titel: Was darunter liegt Technik: Radierung
Künstlerin: Judith Mateleé, Titel: Was darunter liegt, Technik: Radierung
Künstler: Heiner Hoffmann Titel: Viaduc de Moresnet Technik: Radierung
Künstler: Heiner Hoffmann, Titel: Viaduc de Moresnet, Technik: Radierung
Künstler: Holger Runge Tite: Wanderung 1 Technik: Radierung
Künstler: Holger Runge, Tite: Wanderung 1, Technik: Radierung
Künstler: Clemens Hillebrand Titel: Labyrinth aus Schatten Technik: Radierung
Künstler: Clemens Hillebrand, Titel: Labyrinth aus Schatten, Technik: Radierung

Ausstellung Kunst der Radierung im Kunsttraum 27 in Köln-Rodenkirchen.

In der Rodenkirchener Galerie Kunsttraum 27 ist noch bis zum 4. November eine Ausstellung zu sehen, die sich ausschließlich auf die Kunstform der Radierung, also den Druck von gravierten und/oder geätzten Metallplatten, konzentriert.

Vorgestellt werden Werke von Judith Mattelé, Wolfgang Hunecke, Heiner Hoffmann, Holger Runge, Clemens Hillebrand sowie von Otto Coester.

Die meist sehr kleinen Weichgrundätzungen von Judith Mattelé bestechen durch ihre feine Bearbeitung und die Überlagerung verschiedener winziger Welten. Die Titel, die sie ihren Radierungen gibt, sind so poetisch wie ihre Werke: Wo Heimat ist, Was uns durchläuft, Was in uns wächst, Was darüber liegt und Was darunter liegt, so lauten einige davon.
1994 in Herne geboren, hat sie eine Ausbildung zur Maßschneiderin bei Das Gewand in Düsseldorf absolviert und im März 2021 ihr Bachelorstudium in Kunst – Pädagogik – Therapie an der Alanus-Hochschule in Alfter abgeschlossen.
Ihre Arbeit besteht neben kleinformatigen Radierungen aus Objekten und Performance, worin sie die Körperlichkeit eng mit ihrer eigenen Gefühlswelt verknüpft.
Ihre komponierten Objekte sind keine gemalte oder gezeichnete Illusion, sondern tatsächlich da und kommunizieren dabei eine organische Verletzlichkeit. Die Assoziation von Haut und Körper sowie die Verbindung zur Natur sind wichtige Elemente ihrer Kunst genauso wie die Themen Zeit, Erinnerung und das Erzählen von Geschichten.
In ihren Werken beschäftigt sich Judith Mattelé mit dem Sichtbaren (Ausdruck) und dem Unsichtbaren (Eindruck) und dem Erschaffen kleiner Welten, welche man aus direkter Nähe betrachten muss, um alle Details zu erkennen.

Unter vielem anderem zeigt Wolfgang Hunecke, geboren 1950 in Bonn, eine Serie von sieben expressiven Aquatinta-Radierungen vom Stenzelberg zu verschiedenen Jahreszeiten. Der Stenzelberg ist ein 287 Meter hoher Berg des Siebengebirges, eine Quellkuppe aus Latit in der Nähe des Klosters Heisterbach. Er wurde seit dem 11. Jahrhundert als Steinbruch genutzt. Aus seinem Gestein wurde u.a. das Bonner Münster gebaut.
Wolfgang Hunecke begann während seines Studiums der Theologie und Sozialwissenschaften mit seiner künstlerischen Arbeit und gründete und leitet seine eigene Kunstschule in Bonn seit 1989. Als Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler leitete er von 1990 bis 1995 eine von Bonner Künstlern selbstverwaltete Ausstellungshalle und organisierte internationale Wechselausstellungen mit Künstlern aus St. Petersburg, Istanbul, Minsk, Budapest und Ankara.
In Nicaragua gründete er 1989 eine Druckwerkstatt in der Casa de los Tres Mundos, einer Kulturinitiative von Dietmar Schönherr und Ernesto Cardinal. Wolfgang Hunecke lebt und arbeitet in Bonn.

Hier lernte Clemens Hillebrand, geb. 1955 in Köln, ihn kennen, als er in den 90er Jahren an einem von Hunecke organisierten Aktzeichenkreis teilnahm, den er bis heute immer wieder besucht.
Clemens Hillebrand erhielt seine wichtigste Ausbildung in verschiedenen Künstlerwerkstätten, darunter die seines Vaters, des Bildhauers Elmar Hillebrand, mit dem er später zahlreiche Projekte plante und ausführte. Seine ersten Radierungen entstanden in der Werkstatt von Holger Runge, bei dem er viele verschiedene Techniken der Radierung erlernte.
Er schuf Wandmalereien und Glasfenster in zahlreichen Kirchen, öffentlichen und privaten Gebäuden. Von ihm werden einige radierte Illustrationen, u.a. zu Georg Büchners Lenz, gezeigt, aber auch Veduten zu Kölner Bauwerken wie den romanischen Kirchen und dem Dom und zu rheinischen Landschaften. Clemens Hillebrand ist seit 1983 selbstständiger Künstler und lebt und arbeitet in Köln.

Über die Zusammenarbeit mit seinem Vater lernte Clemens Hillebrand Heiner Hoffmann, geb. 1941 in Stuttgart, kennen, der als Nachfolger von Elmar Hillebrand von 1993 bis 2007 den Lehrstuhl für bildnerisches Gestalten an der RWTH in Aachen innehatte.
Heiner Hoffmann studierte Architektur in Darmstadt und absolvierte Praxissemester in Irland und Japan. An der Königlichen Kunstakademie Antwerpen lernte er seine Frau Myriam Xamiroy kennen, mit der er zuletzt gemeinsam an der German University of Technology im Oman das Fach Creative Design lehrte.
Seit 1974 hatte er Lehraufträge an der Kunstakademie München, an der Architectural Association in London, am Leicester Polytechnic Institute und an der Newcastle University. In dem Katalog Meine Unterhaltungen mit der Welt sagt Heiner Hofmann: „Die Lehre war für mich immer etwas Praktisches, eine möglichst enge Form der Zusammenarbeit, und wir, meine MitarbeiterInnen und ich, haben stets die gleichen großen Skizzenbücher geführt wie die Studierenden.“
Seine lebendigen, realistischen Radierungen von Architekturen und Menschen sind immer vor Ort entstanden. Er hat die Platten mit einem Asphalt-Lack überzogen und vor Ort radiert. Dadurch bekommen sie eine besondere Lebendigkeit und Nähe zum Objekt, das mitunter auch spiegelverkehrt radiert wird, damit es im späteren Druck wieder richtig erscheint. Gezeigt werden auch verschiedene Zustandsdrucke gleicher Platten, die weiter bearbeitet wurden.

Bei einem Besuch in Neuss bei Holger Runge, geb. 1925 in Weimar, konnte Clemens Hillebrand ihn zu einem Beitrag für diese Ausstellung gewinnen. Mit seiner Mappe Wege wird eine Wanderung in zwölf Radierungen verschiedener Techniken gezeigt. Das Besondere hier ist, dass er den Zufall stets als zweiten Künstler begrüßt und ihm großen Raum lässt. Diese Mappe entstand 1968 und wurde bei einer der ersten Stallhaus-Ausstellungen der Gebrüder van der Grinten, die auch Joseph Beuys bekannt werden ließen, vorgestellt.
Nach Studienbeginn an der Kunsthochschule in Weimar 1946 kommt Holger Runge an die Kunstakademie Düsseldorf, wo er 1949 durch Prof. Otto Coester die Kunst des Radierens für sich entdeckt. Er lernt in dem mehrschichtigen Arbeitsprozess auf das Entstehende zu reagieren und so spielerisch zum Ergebnis zu finden – das Werk entsteht in einem Dialog mit dem Material. Nach dem Examen 1957 erhielt er zunächst einen Lehrauftrag an der Akademie, wechselte dann 1962 an das städtische Werklehrer-Seminar Düsseldorf und wandte sich auch in seiner künstlerischen Arbeit verstärkt den dreidimensionalen Objekten zu. Die spielerische Herangehensweise wird hier zum Prinzip: In einem kreativen Prozess wird Vorgefundenes so verändert und ergänzt, dass quasi „schicksalhaft“ etwas völlig Neues entsteht. Die Runges Gesamtwerk so prägende offene Arbeitsweise kann man bereits beim Betrachten der frühen Radierungen entdecken.
Auf der Grundlage seiner Radier-Expertise entstand 1963 die „Radiergemeinschaft Osterath“, zu der sich bis 1986 befreundete Künstler jährlich zu gemeinsamen Arbeiten trafen.
Gerade jetzt, seit dem 25. September 2022, lädt die Stadt Meerbusch zu einer Ausstellung über diese Radiergemeinschaft in der Teloy-Mühle ein. Es werden dort bis zum 16.10.2022 Exponate von Joseph Beuys, Holger Runge, Erwin Heerich, Franz Eggenschwiler, Karl Burgeff sowie Martel, Gottfried und Suse Wiegand und Hans und Franz Joseph van der Grinten gezeigt.

Zusätzlich zu den genannten Künstlern zeigen wir von Otto Coester, geb. 1902 in Rödinghausen, aus unserem Fundus einige frühe Radierungen aus den 30er Jahren. Er war von 1938 bis 1967 Professor für freie künstlerische Graphik an der Kunstakademie Düsseldorf, wo Holger Runge einer seiner Schüler war. Coester studierte Kunstgeschichte an der Universität zu Köln und Innenarchitektur an der Kunstgewerbeschule in Barmen. Er illustrierte Kafka und stand mit Alfred Kubin in einem Briefwechsel. Nach seiner Emeritierung lebte er bis zu seinem Tode 1990 in Wilhelmsdorf in der Nähe des Bodensees. Der Kunsttraum 27 zeigte bereits 2012 eine umfangreiche Ausstellung mit 70 Radierungen von Otto Coester.

Insgesamt umfasst die Ausstellung Kunst der Radierung mehr als 100 Exponate.

Galerie Kunsttraum 27

C/o Brigitte und Clemens Hillebrand
Walther-Rathenau-Straße 27
50996 Köln-Rodenkirchen

Öffnungszeiten: Donnerstags und freitags von 15:00 – 18:00 Uhr

Tel. Mobil: 0175 4159364

E-Mail: clemenshillebrand@yahoo.de

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